Donnerstag, 7. Mai 2015

"Vor der Ewigkeit: Lilith-Saga 4" - vierter Werkstattbericht


In letzter Zeit erreichen mich sehr viele Anfragen von euch, wann es endlich mit Lilith weitergeht. Ich freue mich sehr über euer Interesse, denn es zeigt mir, wie gerne ihr Lilith lest. Das ist eine ganz wundervolle Rückmeldung für mich – die beste, die ich mir als Autorin wünschen kann.
Glaubt mir, ich kann eure Ungeduld sehr gut verstehen. Ich kann es ja selbst kaum erwarten, bis "Vor der Ewigkeit" endlich fertig ist. Um die Zeit bis zur Veröffentlichung ein wenig zu überbrücken, habe ich für euch eine Passage aus meinem Manuskript herausgesucht:


In "Vor der Ewigkeit" versuchen Lilith, Johannes und Asmodeo nicht nur fieberhaft, Elisabeth aufzuspüren, sondern sie sehen sich zudem mit einem weiteren Widersacher aus Lilith's Vergangenheit konfrontiert, der sowohl mit Elisabeth als auch mit Lilith in einer ganz besonderen Verbindung steht. Und dieser Widersacher – wer das ist, verrate ich noch nicht – lässt nichts unversucht, um Lilith zu schaden und Elisabeth zu helfen …


Der Mönch stand am äußersten Ende der Plattform mit dem Rücken zu mir. Ich spannte den Hahn meiner Waffe. Es klackte metallen.
   „Endstation“, sagte ich.
    Zunächst dachte ich, der Mönch hätte mich nicht gehört. Doch dann drehte er sich langsam um.
   „Wo ist er?“, fragte ich.
    Ein seltsames Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ihr werdet ihn nie finden. Und wenn doch, wird es zu spät sein.“
    Ich trat näher heran und blickte ihm in die Augen. Sie waren hinter dicken Brillengläsern weit aufgerissen, aber nicht vor Furcht. Eine Art unirdische Ruhe strahlte aus ihnen, eine grenzenlose Zufriedenheit.
    „Was hat er dir angeboten, wenn du für ihn arbeitest?“, fragte ich.
     Seine Miene verfinsterte sich. „Jahrelang habe ich mein Leben aufgeopfert, für meine Religion, für meine Überzeugung. Und was habe ich dafür bekommen? Nichts! Keine Anerkennung, keine Beförderung. Nur älter bin ich geworden, näher am Tod. Und er, er hat mir das ewige Leben versprochen. Nicht irgendwann, sondern jetzt und sofort.“
     „Dieses ewige Leben kann schneller vorbei sein, als du denkst“, sagte ich. „Du kommst jetzt mit. Sofort. Wir haben Fragen an dich.“
     Der Mönch schüttelte den Kopf. „Niemand kann mich zwingen, euch zu helfen. Keine Macht im Himmel und keine auf dieser Erde.“
    „Wenn du nicht freiwillig gehst, schieße ich dir ins Bein und schleife dich die Treppe hinunter. Also los!“
    Er wich meinem Blick nicht aus, sondern versuchte zu ergründen, ob ich die Wahrheit sprach. Sein Mund verzog sich zu einem resignierenden Lächeln. „Ein schöner Engel bist du“, sagte er. „Ganz anders, als sie mir immer beschrieben wurden.“
     In seinen Augen blitzte es auf.
    „Nein!“, schrie ich und sprang auf ihn zu.
    Bevor ich ihn erreichen konnte, hatte er sich über die Brüstung gelehnt. Fast berührten ihn meine Fingerspitzen, als er in die Dunkelheit stürzte. Sekundenlang vermochte ich seine schweigende Gestalt zu sehen, wie sie durch die Luft trudelte. Seine Kutte flatterte und erzeugte dabei ein Geräusch dumpfer Endgültigkeit. Dann schlug er auf dem Kopfsteinpflaster auf – Arme und Beine grotesk verrenkt.
     Stille.
 

 
 



 
 

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