Sonntag, 29. Juni 2014

Alexandre Dumas, die drei Musketiere und ich


Kennt ihr die Geschichte von Alexandre Dumas junior, wie er nachts nach Hause kommt,  am Arbeitszimmer seines Vaters vorbei geht und ihn fürchterlich weinen hört?
Nein?
Macht nichts. Ich erzähle sie euch.
Er hört also seinen Vater weinen. Als er erschrocken die Tür aufmacht, findet er ihn beim Schreiben vor. Er fragt ihn, was denn so Schreckliches passiert sei. Und sein Vater erzählt ihm unter Schluchzen, dass er gerade  die Todesszene für Porthos, seinen Lieblingsmusketier, verfasse.
Daraufhin meint der Sohn sinngemäß (genau bekomme ich das jetzt nicht mehr hin): „Dann lass ihn doch einfach nicht sterben.“
Und der große Dumas antwortet: „Es muss aber sein.“
Wisst ihr was? Früher hielt ich das – gelinde gesagt – für unglaubwürdig. Doch seit längerem habe ich das große Glück, selbst schreiben zu können. Und jetzt, jetzt sehe ich Sache ganz anders.

Wie schreibe ich Bücher?
Ich sehe anfangs Bilder, Szenen und konzipiere relativ kühl und distanziert meine Charaktere. Die Betonung liegt auf anfangs. Denn dann betreten meine Protagonisten die ersten Szenen. Sie handeln und reden,  sie beginnen zu denken und zu fühlen. Und plötzlich, mit einem Mal, ohne, dass ich sie davon abhalten kann, werden sie lebendig. Sie treffen selbständige Entscheidungen und beschreiten ihren eigenen Weg.
Staunend und neugierig zugleich verfolge ich ihr Schicksal am Bildschirm, während meine Finger wie durch Zauberei über die Tastatur fliegen. Ich lache mit meinen Helden, ich bange mit ihnen, ich kämpfe und ich leide mit ihnen.
Weine ich auch manchmal? Kein Kommentar. Aber den großen Dumas, den verstehe ich jetzt jedenfalls ein bisschen besser.
 
Alles Liebe
 
Roxann

 

1 Kommentar:

  1. Das kann ich nachvollziehen. Ich hab auch erst vor kurzem eine meiner Figuren sterben lassen. Eigentlich ein relativ unbedeutender Nebencharakter, der mir trotzdem irgendwie ans Herz gewachsen ist. Es fiel mir nicht leicht, ihn sterben zu lassen. Aber es musste sein.
    Und selbständig machen die Charaktere sich bei mir auch. Ist gerade eben erst passiert. Mitten im Schreiben wurde mir auf einmal klar, dass das was ich im Sinn hatte nicht klappen kann. Sie würde sich nicht so verhalten. Und so kam es anders als geplant.

    AntwortenLöschen