Donnerstag, 4. Juli 2013

Elfter Werkstattbericht zur Lilith-Saga 3 - oder: ein Roman entsteht

Auf meinem Blog ist es in letzter Zeit sehr ruhig geworden. Das liegt daran, dass ich mich inmitten der Überarbeitungsphase von im Abgrund der Ewigkeit befinde.


Inzwischen habe ich 60% der Erstkorrektur hinter mich gebracht und die ist immer die Schwerste. :-) Die nachfolgenden Durchläufe brauchen nur einen Bruchteil der Zeit. Ich kann also guten Gewissens sagen, dass sich die Lilith-Saga 3 langsam aber sicher auf der Zielgeraden befindet! Wenn ihr mein FB verfolgt, seid ihr ja auf dem Laufenden. Ich poste dort regelmäßig meinen Fortschritt.

Ich werde immer wieder gefragt, wie das mit dem Schreiben funktioniert, was es alles braucht, um ein Buch fertigzustellen, wo und wie ich schreibe… Also habe ich mir überlegt, ich poste einen Artikel in abgeänderter Form, den ich im vergangenen Jahr im Rahmen meiner Blogtour ursprünglich der lieben Andrea für ihren Blog Angels Bücherecke formuliert hatte.

…Und los geht’s:

Schreiben ist für mich etwas sehr Persönliches. Generell lässt es sich mit dem Lesen vergleichen, wobei es ein weitaus intensiveres Erlebnis ist. Anders als beim Lesen, bei dem man letztendlich passiv konsumiert, ist Schreiben ein sehr kreativer und bereichernder Prozess, weil man aktiv eine ganz neue Welt erschafft und gestaltet. So ist das jedenfalls bei mir.

Ich sehe die Geschichte eines Romans, den ich schreiben will, in ihrer Gesamtheit vor mir. Ich durchlebe die einzelnen Szenen mehrmals, schaue mich in ihnen um und präge mir ein, was dort geschieht. Dann setze ich mich hin und bringe das Ganze als Grundstruktur zu Papier.

Wenn dieses dramaturgische Gesamtkonzept steht, beginne ich mit einer Szene – es muss nicht unbedingt der Anfang sein – fühle mich wieder in die einzelnen Personen ein, in ihre Motive, ihre Wünsche und Hoffnungen, aber auch ihre Ängste. Ich lasse alles vor meinem geistigen Auge wie auf einer Großbildleinwand vorbeiziehen. Manchmal spule ich vor und zurück, halte an einer Stelle an, bis ich sicher weiß, wohin die Reise geht.

Erst wenn die Szene fertig durchdacht ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Ich fange an zu schreiben. Wort für Wort. Satz für Satz.
  Danach brauche ich eine Pause. Ich lese mir das Geschriebene laut vor. Ich lausche dem Klang der Wörter und der Melodie der Sätze, überprüfe, ob das Erzählte das widerspiegelt, was ich vorher im Kopf gesehen und durchlebt habe. Erst wenn beides übereinstimmt, mache ich weiter

Obwohl wir ein Arbeitszimmer haben, schreibe ich in unserem Esszimmer. Hinter meinem Rücken befindet sich ein Kaminofen und im Winter knistert darin ein Holzfeuer. Rechts von meinem Platz ist die Terrassentür. Sie steht im Sommer offen, so dass unsere Hunde ungehindert in den Garten gehen können.

Apropos meine Hunde: die lieben es, wenn ich laut lese. Dann heben sie ihren Kopf und lauschen aufmerksam, ihre Stirn in Falten gelegt. Sie sind sozusagen mein erstes Publikum.

Meine bevorzugte Arbeitszeit liegt in den Nachtstunden.

Wenn ich schreibe, steht rechts von mir eine Mineralwasserflasche und ein einfaches Wasserglas. Ich esse und nasche nicht beim Schreiben, das lenkt nur ab. Ich höre auch keine Musik, weil die meine Gedanken- und Gefühlswelt zu sehr begrenzen würde. Allerdings kommt es häufig vor, dass sich bei einer bestimmten Szene, die ich schreibe, ein Lied oder ein Musikstück quasi selbständig macht und durch meinen Kopf in einer Endlosschleife geistert. Seltsamerweise bin ich aber noch nie auf die Idee gekommen, es mir dann laut anzuhören.

Wenn ich einen Roman fertig geschrieben habe, lasse ich ihn ruhen. Sobald ich genügend Abstand habe, arbeite ich das gesamte Buch mehrmals akribisch durch. Dazu gehört auch, dass ich den gesamten Text (ungelogen!) laut vorlese, denn nur so finde ich Wiederholungen und Unebenheiten. Hie und da ergänze ich, manchmal streiche ich überflüssige Sätze und gelegentlich muss ich mich auch dazu durchringen, eine ganze Szene aus dem Buch zu nehmen, weil sie den Erzählfluss hemmt.

Das Streichen fällt mir jedes Mal unheimlich schwer. Vielleicht bringe ich auf meinem Blog später einmal eine Sparte mit „Outtakes“. Ich habe jede gestrichene Szene ge-speichert… :-)
Zum Abschluss drucke ich das gesamte Buch aus und überarbeite es nochmals mit Rotstift, denn ich muss hundertprozentig zufrieden sein - früher lasse ich nicht locker.

Anschließend mache ich mich ans Veröffentlichen - wobei das so leicht dahergesagt ist. Für eine Indie-Autorin wie mich bedeutet das, dass ich wirklich alles selbst mache. Das fängt beim Cover an. Ich überlege mir einen Klappentext. Ich bringe die Manuskriptseiten in ein Kindle-taugliches Format, lade es auf mein Kindle und prüfe nochmals jedes einzelne Wort, jede einzelne Zeile, jeden einzelnen Satz.

Das Einstellen des Buches ist jedes Mal ein unbeschreibliches Gefühl.

Und dann… - dann warte ich auf die ersten Rückmeldungen, Kommentare und Rezis. Und ich sage euch, das ist mit das Schlimmste aber auch mit das Schönste an der Sache.



Euch allen eine wunderschöne Sommerzeit!
VLG
Roxann

Kommentare:

  1. Hallo Roxann,
    Danke für den Einblick in Deine Arbeit ;-)
    Du bist wahrlich eine Perfektionistin.
    Aber das merkt man Deinen Büchern an, denn Deine Sätze haben tatsächlich einen Klang, eine Melodie, die meine Fantasie derart anregen, dass ich das ganze wie einen Film vor mir sehe. Das schafft lange nicht jedes Buch!
    Ach ich freu mich so auf den dritten Teil und bin absolut zuversichtlich, dass auch dieses Werk wunderbar wird.
    Und das sage ich, die EIGENTLICH nie ein großer Fantasy-Fan war.
    Ganz liebe Grüße
    Kerstin

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