Mittwoch, 6. März 2013

Von der Kunst des Liegenlassens, vom Fremdgehen, und eine Ankündigung


Wenn ein Roman in seiner Rohfassung erstellt ist, tut man gut daran, ihn erst einmal ruhen zu lassen. Man sollte das Manuskript am besten in die hinterste Ecke seines Schrankes oder Schreibtisches verfrachten und es für einige Wochen komplett vergessen.

Aus den Augen, aus dem Sinn.

Nur so erhält man den erforderlichen Abstand zum eigenen Werk, um es anschließend mit frischem Blick aufs Gründlichste zu durchforsten.

So weit, so gut. …Oder auch nicht.

Was macht eine Autorin – nämlich ich -, wenn Geduld und die Kunst des Liegenlassens nicht unbedingt zu ihren größten Tugenden zählen? Mich ständig um den Schrank herumzudrücken, weil ich es nicht erwarten kann, erneut in die Geschichte einzutauchen, ist weder zielführend, noch wirklich prickelnd.

Ablenken - lautet das Zauberwort. Aber wie stelle ich das an? Klar, als berufstätige Mutter habe ich immer zu tun. Aber irgendwann ist auch der größte Wäscheberg gewaschen, das Haus blitzsauber und jeden Tag ein ausgedehntes Schaumbad nehmen, verliert auch schnell seinen Reiz. Hinzu kommt, dass mich diese Unternehmungen auch nicht wirklich auf andere Gedanken bringen. Aber genau das brauche ich. Ich muss abschalten, um die während des langen Schreibens gewachsene intime Verbindung zu meinen Helden ein Stück weit zu lösen.

Bei mir hilft da nur eins, habe ich festgestellt. Ich gehe fremd. –Nein! Nicht was ihr jetzt denkt! Nicht im eigentlichen Sinne des Wortes. :-) Aber sehr wohl im übertragenen Sinn! Und damit schlage ich quasi zwei Fliegen mit einer Klappe:

Mir geistern immer zahlreiche Ideen für neue Geschichten durch den Kopf. Der Vorrat ist nahezu unerschöpflich. Ich tue mich aber hart, an zwei Geschichten gleichzeitig zu schreiben, weil ich dabei sehr schnell das Gefühl entwickle, beiden Romanen nicht gerecht zu werden – ebenso wie ich nicht zwei Bücher parallel lesen kann (ich weiß aus diversen Blogs, dass das für manche kein Problem ist, das finde ich auch voll in Ordnung, aber für mich persönlich ist das ein absolutes No Go). Also bleibt mir in der aktiven Schreibphase nichts anderes übrig, als diese Ansätze zu neuen Geschichten zurückzustellen.

In den Ruhephasen habe ich das Problem nicht. Ganz im Gegenteil – ich kann den neuen Ideen Raum geben. Ich kann über die Hintergründe von Protagonisten nachdenken, mir Szenen überlegen, kann die Geschichten wachsen lassen und mit ihnen spielen.

Aber eine dieser Storys wollte nicht nur spielen. Ihre beiden Protagonisten haben mich im wahrsten Sinne des Wortes überrannt, als ich die Rohfassung des zweiten Teils meiner Lilith-Saga ausgedruckt, in einem dicken Leitz-Ordner abgeheftet und weggepackt hatte.

„Na gut“, habe ich den beiden Helden gesagt, „ihr habt es so gewollt! Dann schreibe ich eure Geschichte eben auf, während Lilith schlafen muss.

Rückblickend muss ich sagen, das war der beste Einfall, den ich seit langem hatte. Denn die beiden Helden haben es tatsächlich mühelos geschafft, mich abzulenken.

Und nun ist es soweit.

Ich freue mich unheimlich, euch heute Anne und Paul vorstellen zu können, die mir wirklich sehr ans Herz gewachsen sind. Ihre Geschichte ist völlig anders, als die von Lilith, Johannes und Asmodeo. Sie selbst sind völlig anders. Und die Story ist auch nicht im Genre Urban Fantasy angesiedelt, sondern im Genre Krimi/Thriller.

Anfangs habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht, aber gegen Ende meines ersten Romanes rund um Anne und Paul umso mehr. Ich habe mich gefragt, ob ich das Buch lieber unter einem anderen, neuen Pseudonym herausbringen sollte. Mein Blogbeitrag vom 01. Februar nimmt diese generelle Fragestellung auf.

Lange habe ich hin und her überlegt. Meine Leserinnen und Leser verbinden mit meinem Namen bislang hauptsächlich die Lilith-Saga und vielleicht noch meine Weihnachtsnovelle. Das, was ich jetzt geschrieben habe, geht in eine andere Richtung.

Letztendlich bin ich dann aber zu dem Schluss gekommen, dass meine Leserinnen und Leser nicht doof sind und sehr wohl wissen, dass sie von einem Roman des Genres Krimi/Thriller nicht das Gleiche erwarten können, wie von einem Urban Fantasy-Roman. Also habe ich mich dazu entschlossen, das Buch unter Roxann Hill herauszugeben, in dem Wissen, dass ich damit vielleicht ein gewisses Wagnis eingehe. Aber hej - was wäre das Leben ohne Risiken? :-)

Ich wünsche Anne und Paul viel Erfolg auf ihrem Weg ins Leben.

Hier findet ihr sowohl den Klappentext als auch die Leseprobe. Das Buch trägt den Titel: Wo die toten Kinder leben.





Für heute viele liebe Grüße

 Roxann



Kommentare:

  1. Du hast ein neues Buch geschrieben! :) Toll!!! Ich finde es gut das du das Buch unter Roxann Hill veröffentlicht hast. So weiß man wenigstens gleich welche Autorin dahinter steckt. :)
    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Danke für deine Bestätigung! Ich war anfangs doch hin- und hergerissen! :-)

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  2. Find ich ganz prima, dass du auch bei Genrewechsel bei Roxann Hill bleibst. Ich hab den Sinn hinter den vielen Pseudonymen mancher Autoren noch nie wirklich gesehen. So weiß ich gleich, wenn ein Buch einer bekannten Autorin bzw eines Autors auf dem Markt kommt :) das ist mir wesentlich lieber.

    Jetzt geh ich gleich mal in die LP schmökern.

    LG Andrea

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    1. Danke für dein Feedback, das mich in meiner Entscheidung bestätigt. :-)

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  3. Ich will mehr! Also das ganze Buch, bitte. Die Leseprobe hab ich schon verschlungen, und sie hat zweifelsohne großen Appetit auf den Rest gemacht.
    So, und du hast also mal eben so noch einen weiteren Roman geschrieben... hm, wann eigentlich, wenn du doch grade erst Lilith und die Jungs in den Schrank gelegt hast? Aber gut, ich hab ja schon früher mal festgestellt, dass du Wonderwoman bist und dein Tag 48 Stunden hat :-))
    Einziger kleiner Kritikpunkt: das Cover des neuen Buchs gefällt mir nicht wirklich. Es scheint mir ein wenig reißerisch. Mag aber durchaus sein, dass es funktioniert. Schließlich soll man ja zum Anklicken animiert werden... hm... ich bin unschlüssig.
    Ach ja, und natürlich musst du das unter Roxann Hill veröffentlichen! Dann weiß man schließlich sofort, dass einen eine spannende Geschichte erwartet. Und so weitab von Krimi/Thriller sind Lilith, Johannes und Asmodeo ja nun wirklich nicht, im Gegentum!
    Ich geh dann jetzt mal das Buch kaufen... :-)

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    1. Freut mich riesig, dass du mehr willst! :-) Sag mir bei Gelegenheit Bescheid, wie es dir gefallen hat.
      Geschrieben habe ich das Buch, während Lilith 2 auf die Überarbeitung wartete, also im Frühsommer letzten Jahres.
      Jetzt bin ich ja mittendrin in Lilith 3. Soeben habe ich ein weiteres Kapitel beendet. Huuu - gruselig :-))
      Was das Cover betrifft. Du als Fotografin bzw. Künstlerin hast schon den richtigen Blick. Das Cover muss auch wirken, wenn es so klein wie eine Briefmarke ist. Auf Amazon hast du keine riesige Werbefläche. Ich sage dir, es ist gar nicht so einfach, auf einem so kleinen Bildchen das Genre und den Stil des Buches wiederzugeben. Wenn du wüsstest, welche kreativen Neuschöpfungen von Ausdrücken mir über die Lippen kamen, während ich das Cover gestaltet habe...
      Also, ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Spaß beim Buch :-))

      VLG
      Roxann

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